Gewitter – Sintflut vs. Getröpfel

Heute gehen wir auf die enormen Unterschiede bezüglich der Regenmengen bei Gewittern ein und wie eine Symbolprognose bei einem Donnerwetter, den Bürger schnell einmal in die Irre führen kann.

Der heutige Freitag erwies sich somit als Paradebeispiel. Gehen wir also leicht vertieft an die Sache heran.

Ausgangslage

In den oberen Stockwerken (etwa in 5500 m) erreichte uns am Morgen Höhenkaltluft. Diese wies eine Temperatur von etwa -20 Grad auf, auf rund 1500m etwa 8 Grad und am Boden um 15 Grad. Diese, wenn auch nicht übermässige Differenz erzeugte schon eine gewisse Labilität. Mit der hier liegenden feuchten Luft war die Atmosphäre somit anfällig und zu Schauer- und Gewitterproduktion angeregt. (zum Vergrössern ins Bild klicken)

Quelle: www.modellzentrale.de

Nun lag am nördlichen Bodenseeufer bereits ein länger andauerndes Schauer- und Gewitterband. Dieses generierte eine leichte Bisenströmung, während bei uns leichter Südwestwind vorherrschte. Beide Windsysteme trafen über unseren Köpfen zusammen = Bodenkonvergenz. Wenn es nicht mehr vorwärts und nicht mehr rückwärts geht, dann halt nach oben. Die Luft wurde somit gezwungen aufzusteigen, was dann zur Folge hatte, das innert Kürze kräftige Schauer samt Blitz und Donner über der Region entstanden und eine Kettenreaktion auslöste. (zum Vergrössern ins Bild klicken)

Quelle: www.contourmap.internet-box.ch/smn_contourmap/index.aspx

Grosse Unterschiede

Bei Sommergewitter ist bekannt, das es an einem Ort sintflutartig regnen kann, während es im Nachbardorf trocken bleibt. Nicht ganz so war es heute, aber mit grossen Unterschieden.

Die folgende Regensummenkarte basiert von heute Freitag. Zu sehen sind die offiziellen wie auch privaten Wetterstationen.

 

Während in Bischofszell aufgrund der Schauer und Gewitter 18mm an Niederschlag fiel, musste sich Uttwil mit gerade mal rund 4mm begnügen. Noch krasser ist der Unterschied zwischen der hauseigenen Station in Amriswil unterhalb der Bahnlinie, welche rund 12mm registrierte, während der Regenmesser des Wetterdienstes  MeteoGroupe auf dem Bilchen oberhalb der Stadt (hier nicht auf der Karte) satte 35mm (!) innert Kürze aufzeichnete. Es ist nicht ein Defekt an der einen oder an der anderen Station, sondern die Tatsache, dass ein solches Wetterereignis auf engstem Raum grosse Unterschiede aufweisen kann.

 

Symbolprognose bei Sommergewitter

In den Sommermonaten ist es nicht möglich, ein Gewitter punktgenau zu prognostizieren. Auch mit der neusten Technik ist dies „nur“ auf ein grösseres Gebiet beschränkt, bzw. kann eine Tendenz auf eine Region geben. Bei den automatisierten Wettersymbolprognosen, wie Sie neuerdings auch hier zu finden sind, führt dies den Nutzer schon mal in die Irre. Als Beispiel von heute sehen wir eine glatte 0mm bei der Regenmenge. Wie wir aber ja wissen hat es mancherorts tüchtig geregnet. Wie kommt es dazu?

Für die hiesige Wetterprognose wird ein Punkt (z.B. Güttingen) als Prognose verwendet. Für die „grossen“ Wetterereignisse wie z.b. eine Warm- oder Kaltfront, wo es eine breite Fläche betrifft, ist dies eine sehr gute Alternative für den schnellen Überblick. Bei ebensolchen lokalen Geschichten wie wir es immer wieder mal im Sommer erleben, wo ein Ort  „Land unter“ meldet, während sich Herr oder Frau X im Nachbardorf in der Sonne badet, ist es dies einfach etwas kniffliger und muss mit grösserer Vorsicht genossen werden. Deshalb empfiehlt es sich – eigentlich immer, aber insbesondere im Sommer – zusätzlich den Wetterbericht zu konsultieren. Dieser wird nicht nur täglich per Hand geschrieben, sondern stützt sich u.a. auch auf die lokalen und feinmaschigen Wettermodellen. Dies erlaubt es das mögliche Gewitterrisiko auf eine Region einzugrenzen.

 

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